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  • AutorenbildKatharina Lorenz

To have (one's) heart in (one's) boots

Dem einen rutscht das Herz in die Hose, als er von dem Wunsch seines Sysadmins hört, eine mehrmonatige Auszeit zu nehmen. Der andere kann nicht anders, er trägt sein Herz in den Wanderschuhen und möchte seinen Traum vom Fernwandern wahr werden lassen.


Bergpanorama und im Vordergrund sich ausruhende Männerbeine bzw. Füsse in Socken

«Was hast du in den nächsten Monaten vor, Robin?»

Ich wandere den Hexatrek, 3034 km durch Frankreich, von den Vogesen bis zu den Pyrenäen.

«Wie bist du darauf gekommen?»

Seitdem ich 2022 den Westweg gelaufen bin, wollte ich gerne mal einen richtig langen Fernwanderweg versuchen. Viele gehen dazu in die USA und laufen dort einen der "grossen drei" (Appalachian Trail, Pacific Crest Trail, Continental Divide Trail). Das hat für mich auch seinen Reiz, bei einer Wanderung im Schweizer Jura bin ich aber letztes Jahr zufällig auf den HexaTrek gestossen, der einige Kilometer durch die Schweiz verläuft. Da dachte ich mir, warum in die Ferne schweifen, wenn es solche Trails auch hier in Europa gibt.

«3034 km an 100 Tagen, d.h. über 30km am Tag. Wie willst du das schaffen? Hast du trainiert?»

Ich rechne aktuell mit ca. 112-115 Tagen, aber das ist schwierig vorauszusagen. Vier Monate klingt zunächst nach einer langen Zeit, aber es hat sich herausgestellt, dass das tatsächlich eher knapp gerechnet ist. Ich weiss jedenfalls, dass ich mir keine längeren Unterbrüche leisten kann, sei es wegen schlechtem Wetter oder allfälligen Verletzungen. Mein Plan ist es morgens früh aufzustehen und abends möglichst lange zu laufen. So kann ich mir unterwegs hoffentlich genügend Pausen gönnen, um mich nicht zu verausgaben oder gar zu verletzen.

«Auf was freust du dich am meisten?»

Auf die spektakulären Aussichten in den Bergen, in den Alpen und Pyrenäen. Aber auch darauf, hoffentlich andere Fernwanderer unterwegs kennen zu lernen.

«Was ist für dich die Herausforderung?»

Ich erwarte vor allem körperliche, sprachliche und wahrscheinlich auch kulturelle Herausforderungen. Ausserdem wird die Logistik ziemlich herausfordernd: Wo bekomme ich Wasser, Essen, etc. her? Wo finde ich kurzfristig eine Unterkunft, wenn das Wetter garstig ist oder ich in einem der Naturschutzgebiete unterwegs bin? Das werde ich zu grossen Teilen wohl unterwegs klären müssen.

«(Wie gut) Sprichst du französisch?»

Nicht wirklich gut. Also eigentlich ziemlich schlecht. Meine letzte Französisch-Lektion ist auch schon gut 18 Jahre her. Das wird - neben der körperlichen Anstrengung - sicher eine der Herausforderungen.

«Was hast du in deinem Rucksack alles dabei? Wie schwer ist er?»

Ich achte penibel darauf, nur das Nötigste mitzunehmen. Bereits 100g zu viel werde ich sonst bei jedem Anstieg bereuen. Dazu habe ich eine Packliste, die ich über die Jahre immer weiter verfeinert habe. Mit dabei ist natürlich ein Zelt (resp. Tarp), wenn es das Wetter erlaubt, werde ich oft aber einfach im Biwaksack schlafen. Abgesehen davon, ist so das Übliche mit dabei: Kocher, Verpflegung für einige Tage, Ersatzkleider, Hygiene-Artikel, Erste-Hilfe, Elektronik für die Navigation, etc. Alles in allem, plane ich jeweils mit ca. 5 - max. 10kg im Rucksack unterwegs zu sein.

«Warum ist es kein Problem, wenn du 4 Monate bei der Arbeit fehlst?»

Ich würde nicht sagen, dass das kein Problem ist. Auf die Kollegen wird wohl einiges an Mehrarbeit zukommen, wobei wir im Vorfeld versucht haben die Zusatzbelastung möglichst gering zu halten. Wir haben einiges an Wissenstransfer geleistet und gewisse Vorbereitungen getroffen, aber schlussendlich können wir nicht wissen, was in diesen 4 Monaten alles passiert. Da muss ich auf das Know-How der Kollegen vertrauen.

«Was wirst du vermissen?»

Sehr schnell sicher mal eine Dusche. Danach mittel- und längerfristig natürlich Familie und Freunde. So lange ohne sie auszukommen wird hart.

«Was erhoffst du dir von der Auszeit?»

Nach 15 Jahren Berufsleben - davon bald 10 Jahre bei sr solutions / studer + raimann ag - will ich mir mal eine Auszeit gönnen, um etwas vom Alltag wegzukommen und mich für eine Zeit ganz meinem Hobby, dem Fernwandern, zu widmen. Davon erhoffe ich mir natürlich ein Abenteuer, aber auch eine Erfahrung, die mich noch lange begleiten und weiterbringen wird.

 

Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen dir von Herzen eine gute Auszeit und komm gesund wieder!

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